Mit Kolping auf Familienkurs
Einführung
Kinder sind ein unschätzbarer Reichtum. Wer sich für Kinder entscheidet, bringt Leben in die Welt und in die Ehe. Ein Kind wiegt viel mehr, als jede Karriere.
Kinder sind unsere Zukunft und die einzigen, die unser Wohlstandssystem aufrechterhalten können. Deshalb leisten Familien Unverzichtbares für unsere Gesellschaft.
Unsere „moderne“ Konsumgesellschaft hat den Kinderwunsch verdrängt. Karriere und Konsum kommen vor dem Kind. Die Wirtschaft hat hier ein äußerst kurzfristiges Denken gezeigt, zwar die Kunden von heute gewonnen, aber der Preis waren die Kunden von morgen.
1,37 Kinder (Quelle: Bayerisches Staatsministerium) bekommt die bayerische Familie im Schnitt. Damit nimmt die Bevölkerung ab. Während sich in Ballungszentren diese Entwicklung durch Zuzug aus dem Ausland ausgleicht, sinken die Bevölkerungszahlen im Landbereich teilweise dramatisch. Damit verbunden sind Schließungen von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Geschäften und Dienstleistungsunternehmen, was ein Absinken der Lebensqualität bedeutet.
Die Zahl der Eltern, die mit der Erziehung überfordert ist, steigt an, wie die schrecklichen Nachrichten der letzten Monate traurig belegen.
Bundes- und Landesregierung haben die Dramatik dieser Entwicklung erkannt und versuchen gegenzusteuern. Wir sind der Meinung, dass ALLE, die zum Thema Familie und Kinder etwas beizutragen haben aufgerufen sind, aktiv zu werden. „Mit Kolping auf Familienkurs“, so lautet ein Motto, das wir 2006 am Verbändetag auf unsere T-Shirts gedruckt haben. Das Thema „Familie“ wurde in zwei Diözesanversammlungen intensiv behandelt und der Diözesanvorstand sowie die Kolpingsfamilien wurden beauftragt, aktiv für Familien und Kinder zu werden. Wir setzen uns ein für Familien und Alleinerziehende mit Kindern, Adoptivkindern oder Pflegekindern
Familiensplitting
Familien sind trotz aller Maßnahmen des Staates finanziell deutlich schlechter gestellt, als Kinderlose. Eltern- und Kindergeld reichen nicht aus. Wir fordern daher, die Familien steuerlich wesentlich stärker zu begünstigen. Das bisherige Ehegattensplitting soll wegfallen, stattdessen soll das Einkommen der Familie auf alle Familienmitglieder aufgeteilt werden. Das Familiensplitting soll es nur für Familien mit Kindern geben. Als Kind zählt, wer das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder in Ausbildung ist, maximal bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres.
Beim Familiensplitting wird das gesamte Einkommen einer Familie steuerlich auf alle Familienmitglieder aufgeteilt, was bei einer kinderreichen Familie die Steuerlast gegen Null drückt. Dem Argument, dass Familiensplitting reiche Familien besonders begünstigt, setzen wir entgegen, dass reiche kinderreiche Familien ebenso wichtig sind. Schließlich geht es ja darum, in allen Bevölkerungsschichten für mehr Nachwuchs zu sorgen.
Kindergeld
Das Kindergeld soll in der jetzigen Regelung bleiben. Einkommensunabhängig erhält die Familie für das erste bis dritte Kind 154 €/Monat, ab dem vierten Kind 179 €/Monat. Der Kinderfreibetrag soll wegfallen, da der steuerliche Aspekt im Familiensplitting berücksichtigt ist.
Erziehungsgehalt
Die Erziehung von Kindern ist eine wichtige Aufgabe, die dem Staat wertvolle Dienste leistet.
Während der ersten drei Lebensjahre eines Kindes ist es wichtig und sinnvoll, dass ein Elternteil sich für die Erziehung des Kindes Zeit nimmt. Ab dem vierten Lebensjahr sollte ein Kind den Kindergarten besuchen.
Die Erziehung eines Kindes ist eine anspruchsvolle Aufgabe und soll deshalb mit einem angemessenen Erziehungsgehalt entlohnt werden. Das Erziehungsgehalt ist wie ein Einkommen zu behandeln, es unterliegt der Einkommensteuer und Sozialversicherung. Damit werden Erziehungszeiten wie Berufszeiten behandelt. Der Arbeitgeberanteil ist vom Staat zu zahlen.
Das Erziehungsgeld beträgt im Monat 1500 € brutto. Für jedes weitere Kind, das jünger als drei Jahre ist, erhöht sich das Erziehungsgeld um 500 €, maximal jedoch auf 2500 €.
Nach dem dritten Lebensjahr des Kindes wird kein Erziehungsgeld mehr bezahlt, weil wir es für sinnvoll halten, dass der erziehende Elternteil wieder in das Berufsleben eintritt.
Neben dem Erziehungsgehalt soll die Elternkompetenz durch eine qualifizierte Beratung und Unterstützung gestärkt werden. Es muss gewährleistet sein, dass das Erziehungsgehalt zum Wohle des Kindes und zur Förderung der Erziehungsarbeit eingesetzt wird.
Wahlfreiheit
Grundsätzlich bevorzugen wir, dass ein Elternteil sich in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes um die Erziehung kümmert. Wir anerkennen jedoch, dass es Situationen gibt, die dies nicht ermöglichen. Zum Beispiel Alleinerziehende. Es muss deshalb möglich sein, ein Kind schon im frühesten Alter in Betreuung zu geben. In diesem Fall besteht kein Anspruch auf Erziehungsgeld. Der Staat muss ausreichend Kinderkrippenplätze schaffen. Die Betreuungskosten sollen steuerlich als Sonderausgaben anerkannt werden.
Familien-Soli
Zur Gegenfinanzierung der vorgeschlagenen Maßnahmen werden Einnahmen benötigt bzw. müssen Mittel des Bundeshaushaltes umgeschichtet werden. Wir fordern die Einführung eines Familien-Solis, der durch das Auslaufen des Ost-Solis finanziert wird. Den Familien-Solidaritätsbeitrag müssen Kinderlose in Abhängigkeit ihres Einkommens abführen. Wobei hier die Freiwilligkeit der Kinderlosigkeit keine Rolle spielen kann. Die Höhe des Familien-Soli muss noch genau berechnet werden.
Positives Familienbild
Ehe und Familie gehören zusammen – die Ehe ist die beste Voraussetzung für das Gelingen von Familie, für Vater und Mutter sein. Zusammensein mit Kindern ist eins der wichtigsten Dinge. In der Familie lernen Kinder Verantwortung zu tragen, sie erfahren Werte und Grundhaltungen.
Das Bild von Familie muss positiv gestaltet werden. Wer sich für Familie entscheidet muss einen höheren sozialen Stellenwert haben. Der Beruf Hausfrau und Hausmann braucht viel mehr Beachtung und auch Ausbildung um den Aufgaben gerecht zu werden.
Bei der Gestaltung von TV- und Radioprogrammen und aller Medien muss auf die positive Darstellung der Familie geachtet werden.
Ein positives Familienbild kann auch durch Werbemaßnahmen vermittelt werden.
Ziel muss es sein, dass sich wieder mehr Menschen für Familie entscheiden und diesen Familien ein gutes Umfeld geboten wird.
Nach Beratung bei der Diözesanversammlung am 09.02.2008 hat der Diözesanvorstand dieses Positionspapier bei seiner Klausurtagung am 18./19. April 2008 beschlossen.
Passau / Prienbach, 19. April 2008
Kolpingwerk Diözesanverband Passau
gez. Wolfgang Zehetmair
Diözesanvorsitzender
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gez. Peter Meister
Diözesanpräses
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gez. Harald Binder
Diözesan-Geschäftsführer |
Positionspapier im PDF-Format
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